Chronik

Am Abend des 1. Juni 2013 nach der Verleihung des 3. Dorstener Lyrikpreises haben noch einige Mitglieder des Arbeitskreises einen wunderschönen Tag im Alten Garten in Reken ausklingen lassen

 

Gemeinsames Arbeiten am Text

Dreißig Jahre Literarischer Arbeitskreis Dorsten


Leise liest Brigitte W. ein Gedicht. Fünf Strophen rezitiert sie. Dann sieht sie erwartungsvoll in die Runde. "Ich  würde es kürzen", sagt einer der Zuhörer. "Was Du sagen willst, geht auch in drei Strophen." "Warum denn? Ich würde es  so stehen lassen, es ist stimmig", sagt eine andere Der Literarischer Arbeitskreis ist bei der Arbeit. Jeder sagt seine Meinung. Mitunder wird Zeile für Zeile besprochen. Manches akzepiert Brigitte, anderes nicht. Am Ende steht ein überarbeitetes Gedicht. Bevor es veröffentlicht wird, trägt sie es noch einmal vor, vielleicht auch mehrmals., bis sie mit ihrem Werk zufrieden ist. "In der Gemeinschaft geht das viel leichter", verrät sie. "Allein würde ich  das nie schaffen, beim eigenen Text ist man ja oft blind." Einmal im Monat trifft sich der Literarische Arbeitskreis, immer am letzten Montag. Manchmal geht es hoch her, jeder möchte seine neuen Texte der Kritik stellen. Nicht nur Gedichte werden geschrieben, auch Kurzgeschichten, Aphorismen oder ganze Bücher werden diskutiert. Es ist die Freude an der Literatur, die die gut zwanzig Mitglieder des Arbeitskreises vereint. Der Literarische Arbeitskreis ist ein eingetragener Verein, doch Vorstandssitzungen gibt es nicht. Alles wird in der Gemeinschaft entschieden. Ob es um Termine geht, ein Lesung oder die Weihnachtsfeier, jeder kann mitreden und mitentscheiden. Vereinsmeierei ist dem Arbeitskreis fremd.

Das war  von Anfang an so gedacht, als sich der Literarische Arbeitskreis am 15. April 1983 im damaligen Café Filippin gründete. "Taufpate" war der stellvertretende Bürgermeister und Vorsitzender des Kulturausschusses Hans Fabian. Mir dieser Gründung wollten die Literaten einen Beitrag zur Kultur in Dorsten leisten. Leitgedanke war, dass Literatur für alle zugänglich sein sollte. Es war ein lockerer Kreis, ohne Satzung, ohne Mitgliedbeitrag, und vor allem ohne Verpflichtung. Das war nicht lange durchzuhalten. Als die Arbeit professioneller wurde, als Lesungen organisiert, Bücher veröffentlicht wurden und Fördermittel eingeworben werden mussten, wr eine förmliche Vereinsgründung unerlässlich. 1993, zum zehnjährigem Geburtstag, gab sich der Literarische Arbeitskreis eine Satzung und wurde zum gemeinnützigen e.V.

Die Lesungen wurden professioneller und immer häufiger veröffentlichte der Verein oder einzelne Mitglieder Bücher. Um die Kosten dafür niedrig zu halten und die Bücher im Buchhandel zu vertreiben, wurde kurz nach der Vereinsgründung ein Verlag gegründet, der diese Aufgaben übernahm.

Aber immer noch stand die Textarbeit im Mittelpunkt. Die Hobbyautorinnen und Autoren halfen sich gegenseitig dabei, ihre Gedichte und Kurzgeschichten zu verbessern und veröffentlichungsfähig zu machen. Zuerst traf man sich in der ehemaligen Marienschule, später im Gemeinschaftshaus Wulfen und im Haus der Familie in Dorsten. Immer stand die "Werkstattarbeit" im Mittelpunkt. Kontakte zu anderen Literaturgruppen wurden geknüpft, besonders intensiv zu den "Münsteraner Literaten" und zum "Bürgerzentrum Minden". Zahlreiche gemeinsame Lesungen und Buchvorstellungen vertieften  diese Bande. Verschiedene Sponsoren förderten diese Aktivitäten, hervorzuheben ist hier die Stadt Minden, die Reisen zu den Lesungen in ihrer Stadt bezuschusste.    

Einzig die Stadt Dorsten konnte dem LAD nicht finanziell unter die Arme greifen. Schon 1986 konnte sie keine Kulturfördermittel aufbringen, da "diese Zuschussposition in dieser prekären Lage zwingend eingespart wetnde muss." "Not macht erfinderisch," riet die Stadt, "und vielleicht erschließt sich Ihnen die eine oder andere Finanzierungsquelle, an  die Sie bisher noch nicht gedacht haben," Um die bemühte sich der LAD und war erfolgreich. So konnte im Jahr 2012 ein Schulbuch  für die Dorstenerer Schulen herausgebracht werden, das vollständig aus Mitteln Dorstener Firmen, Banken und Privatpersonen finanziert wurde.

Es war sogar möglich, eine Literaturpreis, den"Dorsetner  Lyrikpreis", auszuloben, der sich mittlerweile in der Literaturszene etabliert hat. Zur Teilnahme aufgerufen wurden nichtprofessionelle, deutschsprachigen Autorinnen und Autoren. Die Resonanz war überwältigend, über fünfhundert Dichterinnen und Dichter beteiligten sich am ersten Lyrikpreis im Jahre 2003. Der Preis wird alle fünf Jahre ausgeschrieben und ist mit einem Geldpreis dotiert, der aus Spenden insbesondere der Dorstener Volksbank und der Sparkasse Vest finanziert wird. Ein solches Vorhaben zu "stemmen" ist nicht leicht, doch die Mitglieder des Vereins gehen mit Freude und Elan ans Werk, um deutschlandweit in der Kulturszene "mitzumischen".  2013 wurde bereits der dritte Lyrikpreis vergeben, diesmal mit einem eigens geschaffenen Jugendpreis. Doch auch die lokale Literaturszene wird nicht außer Acht gelassen, und so verlieh der LAD im Jahre "2010" das "Dorstener Lesezeichen" an Literatinnen und Literaten der Region. Es besteht eine intensive Zusammenarbeit mit dem "Baumhaus Dorsten".

Erster Vorsitzender des Literarischen Arbeitskreis war Reinhard Zuschlag, gefolgt von Peter Paul Buse. Diesen löste Herr Werner Wenig ab, der das Amt bis heute inne hat.